27. März 2017

Zuverlässigkeit und Bezahlbarkeit sicherstellen: Analyse zur L-Gas-Versorgung zeigt politischen und regulatorischen Handlungsbedarf

Um in der L-Gas-Versorgung die Zuverlässigkeit zu erhalten und die Bezahlbarkeit zu stärken, schlägt die Initiative Erdgasspeicher e.V. (INES) die Umsetzung mehrerer politischer oder regulatorischer Maßnahmen vor. Die Vorschläge betreffen die monetäre Anpassung des Konvertierungsentgelts im Vergleich zum L-/H-Gaspreis-Spread, das Einrichten einer L-Gas-Sicherheitsreserve sowie eine ratierliche Aufteilung der Mehrkosten auf alle Ausspeisungen zu L- und H-Gas-Kunden. Empfehlungsgrundlage ist ein Grundsatzpapier der INES mit umfangreichen Analysen wesentlicher Zahlen, Daten und Fakten der deutschen L-Gas-Versorgung.

Die L-Gas-Versorgung in Deutschland ist zu wesentlichen Anteilen auf niederländische L-Gas-Importe angewiesen. Zwar sind diese Importe bis zum Jahr 2029/2030 eingeplant. Entscheiden sich die Niederlande allerdings vor dem Hintergrund der Erdbeben im Groningen-Gasfeld, die L-Gas-Förderung noch stärker als bisher zu begrenzen, könnte ein L-Gas-Mangel im europäischen Markt entstehen. Für die Versorgungssicherheit des deutschen Marktes ist es elementar, dass inländische Gashändler und ‑lieferanten an ihren langfristigen Lieferverträgen festhalten. Hier setzt das Konvertierungsentgelt an. Denn Gashändler oder -lieferanten könnten aufgrund wirtschaftlicher Erwägungen ihre L-Gas-Lieferverträge aufgeben und stattdessen H-Gas zur Belieferung ihrer L-Gas-Kunden beschaffen. INES empfiehlt daher, das Konvertierungsentgelt beizubehalten und in der Höhe so auszugestalten, dass die kommerzielle Konvertierung über den Marktgebietsverantwortlichen zu jedem Zeitpunkt den L-/H-Gaspreis-Spread an den jeweils in den Marktgebieten liegenden Handelsmärkten übersteigt.

„Wir freuen uns, dass die Bundesnetzagentur die Notwendigkeit des Konvertierungsentgelts erkannt hat. Wir denken aber, dass ein ex-post-Entgelt die gewünschte Wirkung eher erzielen würde“, kommentiert Sebastian Bleschke, INES-Geschäftsführer, die Veröffentlichung des Grundsatzpapiers.

Zudem stellen die Leistungs- bzw. Flexibilitätsbedarfe in Hochlastzeiten sehr hohe Anforderungen an die Verfügbarkeit der L-Gas-Flexibilitätsquellen. Bereits ohne technische Ausfälle von L-Gasinfrastrukturen sind bei Spitzenlast im Jahr 2016/2017 rund 23 GW der gesamten Ausspeicherleistungen deutscher L-Gas-Speicher in Höhe von 33 GW unerlässlich, um Versorgungsunterbrechungen der L-Gas-Kunden zu verhindern. Nur die verbleibende Ausspeicherleistung der L-Gas-Speicher in Höhe von 10 GW steht also zur Verfügung, um einen technischen Ausfall von Importinfrastrukturen aufzufangen oder zumindest Versorgungsunterbrechungen zu minimieren. „Diese Redundanz sollte in Hochlastzeiten gewährleistet sein“, führt Sebastian Bleschke aus. INES empfiehlt deshalb, zur Absicherung dieser Zeiträume eine L-Gas-Leistungs- bzw. Sicherheitsreserve in L-Gas-Speichern einzurichten.

Aufgrund der notwendigen Umstellung von L-Gas-Markträumen auf H-Gas und der in der Regel höheren Beschaffungskosten für L-Gas ist die L-Gas-Versorgung im Vergleich zu einer Versorgung mit H-Gas teurer. Damit allerdings für L-Gas-Kunden keine Kostennachteile gegenüber H-Gas-Kunden entstehen, nimmt die Politik mit der Marktraumumstellungs- und der Konvertierungsumlage eine Umverteilung vor. Die gewünschte soziale Gerechtigkeit wird jedoch verfehlt, da die Umlagen auf bestimmte Gasmengen mehrfach erhoben werden. Für einen gerechten sozialen Ausgleich dürfte jede verbrauchte Gasmenge nur einmal mit den betreffenden Umlagen belastet werden. Die derzeitige Umsetzung der Wälzung ist aufgrund der dadurch entstehenden Wettbewerbsverzerrungen insbesondere für Speicherbetreiber ein großes Ärgernis, da diese mehr als 10 Prozent des aktuellen Handelswertes von Speichern ausmachen. Letztlich könnte diese Handhabung dazu führen, dass sämtliche Endkunden einem Kostenanstieg ausgesetzt werden.

„Setzen sich konkurrierende Speicher aus dem Ausland durch, zahlt der deutsche Gaskunde neben teureren Flexibilitätspreisen auch noch die Verstärkung der Gasnetze zur Anbindung dieser Flexibilitätsquellen“, erläutert Bleschke. „Wir empfehlen, eine ratierliche Aufteilung der Mehrkosten der L-Gas-Versorgung auf alle Ausspeisungen zu L- und H-Gas-Kunden vorzunehmen. Damit würde jede verbrauchte Kilowattstunde nur genau einmal mit den Umlagen belastet und eine gerechte Umverteilung wäre sichergestellt.“

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Die vollständige Studie im Auftrag der INES steht hier zum Download bereit.

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